Personalmangel bei Triebfahrzeugführern geht alle an

BAG-SPNV und mofair wollen zusammen mit dem Bund ein breites Bündnis für Attraktivität der Bahnberufe schmieden

 

Berlin, den 14. Januar 2019.

„Der Personalmangel, insbesondere bei Triebfahrzeugführern, ist für die Eisenbahnverkehrsunternehmen derzeit das drängendste Problem. Er trifft inzwischen alle Regionen Deutschlands und auch alle Verkehrsunternehmen gleichermaßen. Unternehmen und Aufgabenträger tun wirklich alles, was sie können, um dem Mangel Herr zu werden. Die Verbände BAG SPNV und mofair diskutieren mit dem Bund, dass er verstärkt eine koordinierende Rolle übernimmt und mit uns ein breites Bündnis aus Politik, Unternehmen, Aufgabenträgern, und Gewerkschaften schmieden hilft. So können wir gemeinsam deutlich machen, dass Bahnberufe attraktiv, herausfordernd und vor allem zukunftssicher sind und so die Bahnbranche ein besseres Image bekommen sollte “, sagten Susanne Henckel, Präsidentin der Bundesarbeitsgemeinschaft der Aufgabenträger im SPNV (BAG-SPNV) und Stephan Krenz, Präsident von mofair, dem Verband der Wettbewerbsbahnen im Schienenpersonenverkehr, nach einem Treffen mit Enak Ferlemann, dem Beauftragten des Bundes für den Schienenverkehr.

Staatssekretär Ferlemann erklärte seine Unterstützung: „Mit dem Zukunftsbündnis Schiene haben wir alle Beteiligten des Systems Schiene zusammengebracht, um die Herausforderungen des Schienenverkehrs umfassend gemeinsam anzugehen. Eine Steigerung des Images der Schiene als besonders umweltverträgliches Verkehrsmittel des 21. Jahrhunderts ist dabei nicht nur für die dringend erforderliche Personalgewinnung sehr wichtig. Deshalb ist dies ein klares Thema für den Lenkungskreis des Zukunftsbündnisses. Wir brauchen für die künftigen großen Herausforderungen wie z. B. die Verdoppelung der Fahrgastzahlen zwingend deutlich mehr Personal im Schienenverkehr. Dafür muss auch die Attraktivität der Arbeitsplätze für diesen immer wichtiger werdenden Verkehrsträger durch alle Beteiligte erhöht werden. “

Bereits zu Beginn der Beratungen des „Zukunftsbündnisses Schiene“ im Oktober 2018 hatten sich mofair und die BAG-SPNV gemeinsam an das Bundesverkehrsministerium gewandt und auf eine stärkere Beachtung des Themas Personalverfügbarkeit in den Beratungen des Bündnisses gedrängt. So wichtig es sei, Zukunftsthemen wie Deutschland-Takt, Kapazitätsausweitungen, Digitalisierung etc. anzupacken, dürfe doch nicht vergessen werden, wer die konkrete Arbeit mache.

Der Personalmangel habe sich in den vergangenen Jahren drastisch verschärft. Inzwischen komme es leider vor, dass Planleistungen im SPNV zeitweilig nicht gefahren werden können – und stattdessen Schienenersatzverkehr mit Bussen eingerichtet werden muss -, weil nicht ausreichend Triebfahrzeugführer verfügbar seien. „Das ist total unbefriedigend und betrifft bei weitem nicht nur Wettbewerbsbahnen, wie Beispiele aus Schleswig-Holstein oder Baden-Württemberg zeigen. Wir Unternehmen investieren im großen Stil, um genügend neues Personal auszubilden. Die Bewerberlage ist aber mit Blick auf die demographische Entwicklung schon äußerst dünn. Durch die Tarifabschlüsse der letzten Zeit mit Wahlmodellen zwischen mehr Geld und mehr Freizeit wird der Arbeitsmarkt komplett leergefegt“, erläutert Stephan Krenz. „Wir sehen es mit Sorge, wenn einzelne Unternehmen versuchen, bei anderen Triebfahrzeugführer abzuwerben, zum Beispiel durch Antrittsprämien“, fährt Susanne Henckel fort, „denn das hilft letztlich niemandem, sondern verschärft die Krise nur.“

Beide Verbände sehen die Notwendigkeit, die zahlreichen bereits vorhandenen Initiativen – so gibt es zum Beispiel in Nordrhein-Westfalen und in Baden-Württemberg bereits „Runde Tische“ zu der Problematik – besser zu verzahnen. „Letztlich müssen wir alle gemeinsam – Unternehmen, Aufgabenträger, Politik und Gewerkschaften – die Nachwuchsförderung als Branchenaufgabe annehmen. Hier kann der Bund wertvolle Hilfe leisten. Noch vor wenigen Jahren geäußerte Vorstellungen, der Bahnverkehr werde sehr bald vollautomatisch ablaufen, haben verheerende Wirkungen. Wir müssen jetzt vielmehr herausarbeiten, dass Jobs bei der Eisenbahn gerade bei sich wandelnden Anforderungen spannend, herausfordernd, sicher und alles andere als langweilig sind“, so Henckel und Krenz abschließend.

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