Erfolgsfaktoren für den SPNV von morgen

Neuer Teilnahmerekord bei Fachveranstaltung der BAG-SPNV / Wettbewerb und Qualität im Mittelpunkt

Gestern hat in Fulda zum 19. Mal die alljährliche Fachveranstaltung der Bundearbeitsgemeinschaft der Aufgabenträger des SPNV stattgefunden. Auch in diesem Jahr mit einem neuen Teilnahmerekord: rund 350 Branchenvertreter waren gekommen, um über Erfolgsfaktoren für mehr Qualität im Schienenpersonennahverkehr (SPNV) zu diskutieren. Einen Schwerpunkt bildete dabei die Frage, wie Verkehrsverträge so gestaltet werden können, dass eine schnelle Reaktion auf Innovationen, neu auftretende Kundenbedürfnisse und eine sich ändernde Nachfrage möglich ist.

Zur Einführung beschrieb die Präsidentin der BAG-SPNV, Susanne Henckel, die aktuelle politische Lage und die Herausforderungen, vor denen die Branche heute steht. Noch nie habe die Frage der Gestaltung von Mobilitätsangeboten so sehr im Fokus von Politikern, Stadtplanern und Umweltaktivisten gestanden. Diese Chance gelte es zu nutzen, um politisch eine Strukturreform mit nachhaltigen Lösungen zur Verbesserung der Qualität der Bahn anzuschieben. Prof. Dr. Andreas Knie vom Wissenschaftszentrum Berlin machte deutlich, dass das Bekenntnis zur Schiene nichts nutze, wenn faktisch doch immer wieder der Straßenverkehr unterstützt werde, beispielsweise durch vielerorts immer noch kostenfreien Parkraum. Da immer noch viele Menschen bevorzugt das eigene Auto nutzen, sei es notwendig Gesamtkonzepte zu entwickeln, die Car-Sharing-, ÖPNV- und SPNV-Angebote integrieren, um den Individualverkehr zu reduzieren.

Andreas Schilling, DB Regio, und Dr. Rolf Erfurt, NordWestBahn, beschrieben aus Sicht der Eisenbahnunternehmen, welche Veränderungen in Wettbewerbsverfahren erforderlich sind, damit eine qualitative Verbesserung des Angebots in langlaufenden Verkehrsverträgen möglich ist. Eine zentrale Forderung war, langlaufende Verkehrsverträge flexibler zu gestalten, um auf neue Entwicklungen reagieren und nachsteuern zu können, wenn sich beispielsweise das Kundenverhalten und die Nachfrage verändern oder sich durch technische Entwicklungen neue Möglichkeiten eröffnen, die während bei der Ausschreibung so nicht absehbar waren.

Im zweiten Themenblock des Vormittags wurden wichtige Erfolgsfaktoren für mehr Fahrgäste im SPNV vorgestellt. Lara Söring, Abellio Rail Mitteldeutschland, forderte einen durchgängigen digitalen Vertrieb für alle Mobilitätsangebote, um mehr Fahrgäste für den SPNV zu begeistern. Hierbei warb sie für eine Mobilitäts-Flatrate – analog zu den heute gängigen Mobilfunktarifen –, damit der Zugang zu diesen Angeboten deutlich einfacher wird. Dr. Meike Niedbal, DB Station&Service, zeigte, wie aus reinen Verkehrsanlagen smarte Bahnhöfe werden, die den Fahrgästen das Umsteigen zwischen verschiedenen Mobilitätsangeboten erleichtern und darüber hinaus Dienstleistungen anbieten, die insbesondere für Pendler die Nutzung des SPNV attraktiver machen. Und Robert Ionescu, Mitglied der RRX-Projektarbeitsgruppe, erläuterte, wie eine durchgängige und auf allen Kanälen einheitliche Fahrgastinformation gelingen kann. Dabei sei es insbesondere im Störungsfall wichtig, dass Fahrgäste zeitnah und unternehmensübergreifend auch mit Informationen zu Alternativen zur ursprünglichen Reisekette versorgt werden.

Am Nachmittag stellte Dr. Thomas Schaffer, DB Netz, vor, wie durch Bündelung der in den kommenden Jahren notwendig werdenden Baumaßnahmen und durch kundenfreundliches Bauen die Auswirkungen für die Fahrgäste möglichst geringgehalten werden können. Er wies aber auch darauf hin, dass eine größere Robustheit des Gesamtsystems notwendig sei. Dies könne einerseits durch das Einrichten von Überleitstellen und Umleitungsmöglichkeiten deutlich unterstützt werden. Es dürften aber auch Einschränkungen im bisherigen Fahrplanangebot nicht grundsätzlich ausgeschlossen werden, wenn die bestehende Menge an Fahrten zu erheblichen Qualitätseinbußen führt. Frank Gülicher, Leiter Management Großprojekte der DB Netz, berichtete aus welchen Gründen bei großen Bauvorhaben zwischen Planungsbeginn und Fertigstellen im Durchschnitt 20 Jahre liegen und stellte dar, wie diese Zeit durch neue Verfahren bei der Planung und Durchführung verkürzt werden kann. Demnach können derartige Projekte durch die seit 2018 anwendbare Bedarfsplanumsetzungsvereinbarung, das geplante neue Projektbeschleunigungsgesetz, die Digitalisierung von Großprojekten und Optimierung der Prozesse in Zukunft um rund ein Viertel schneller umgesetzt werden.

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