Fahrzeuge sind ein wichtiges Qualitätsmerkmal im Nahverkehr und geben dem SPNV ein Gesicht. Zahlreiche Studien belegen: Auf SPNV-Strecken, auf denen qualitativ hochwertige Neufahrzeuge zum Einsatz kommen, können erhebliche Fahrgaststeigerungen erreicht werden.

Die Wahrnehmung des öffentlichen Verkehrsangebotes durch den Fahrgast wird demnach wesentlich durch den Zustand der eingesetzten Fahrzeuge bestimmt. Hierbei spielen allerdings nicht nur Komfortaspekte z.B. bei barrierefreien Einstiegen oder verbesserten optischen Fahrgastinformationen eine Rolle. Auch optimierte Fahrplanangebote, die durch höhere Geschwindigkeiten und durch ein höheres Beschleunigungsvermögen der Neufahrzeuge erreicht werden können, fallen hier ins Gewicht.

Mit ihren „Empfehlungen für Anforderungen an Fahrzeuge in Vergabeverfahren“ hat die BAG-SPNV eine Anforderungsliste erarbeitet, die u. a. Empfehlungen für die Ausstattung von Fahrzeugen enthält, die im Rahmen von Ausschreibungen von Verkehrsleistungen durch die Aufgabenträger festgesetzt werden (können). Mittlerweile liegen die Fahrzeugempfehlungen neun Jahre nach der Erstausgabe in der 3. Auflage vor. Diese im März 2016 fertiggestellte 3. Auflage enthält erstmals auch einige Vorschläge zur Standardisierung einzelner Komponenten, um der Lebensdauer von Fahrzeugen, die eine Verwendung in zwei oder mehr Vertragsperioden zulässt, gerecht zu werden. Weiterhin sind in diese Auflage Erfahrungen aus Vergabeverfahren sowie die Erfahrungen von Fahrgästen mit aktuellen Fahrzeugen eingeflossen.

Fahrzeuge und ihre Instandhaltung sind aber auch ein wesentlicher Kostenblock, sie machen bis zu 25% der Gesamtkosten des Verkehrsangebotes aus. Damit auch zukünftig moderne Fahrzeuge durch die Eisenbahnverkehrsunternehmen finanziert werden können, müssen die Fahrzeugkapitalkosten gesenkt werden. Um die Finanzierungskosten zu senken, greifen die Aufgabenträger zu verschiedenen flankierenden Maßnahmen wie der Gründung eines eigenen Aufgabenträger-Fahrzeugpools oder den Ausspruch von Wiedereinsatzgarantien. Andere Aufgabenträger geben Kapitaldienstgarantien, teilweise werden völlig neue und innovative Fahrzeugfinanzierungsmodelle entwickelt.

Die rechtzeitige Zulassung der Eisenbahnfahrzeuge durch die Aufsichtsbehörde, das Eisenbahnbundesamt (EBA), ist dabei allerdings Voraussetzung für eine pünktliche Betriebsaufnahme z.B. nach einem Betreiberwechsel. Hier hat es in den vergangenen Monaten in einigen Regionen erhebliche Probleme gegeben, weil nicht immer die neuen Fahrzeuge zur Verfügung standen, sodass die Verkehrsleistungen mit kostspieligen und für den Fahrgast häufig auch unbefriedigenden Ersatzkonzepten erbracht werden mussten. Eine Optimierung des Prozesses der Fahrzeugzulassung soll durch das vom BMVI herausgegebene „Handbuch Eisenbahnfahrzeuge“ erreicht werden, das einen Leitfaden für die Herstellung und Zulassung darstellt.